Friedrich-Weinbrenner-
Gesellschaft e.V.

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Die "Weinbrenner-Kelter" in Kämpfelbach-Bilfingen

21. November 2019

Der Name wird offiziell benutzt und steht auch gut sichtbar an der Hauswand. Auch die hier beginnende Straße ist nach Friedrich Weinbrenner benannt. 2014 wurde das Gebäude behutsam renoviert und dient der Gemeinde Kämpfelbach seitdem als Halle für Versammlungen und Veranstaltungen, kann auch privat gebucht werden. Hier der Link zur Gemeindeseite.

Das Baudatum ist bekannt: 1808/09. Ob sie wirklich von Friedrich Weinbrenner entworfen wurde, wie es der eingebürgerte Name nahelegt, ist nicht sicher belegt, aber auch nicht entscheidend. Denkbar ist es allemal, dass er den Entwurf vorskizziert oder im nachhinein korrigiert hat, wie wir es von anderen Fällen kennen.

In jedem Fall zeigt das Gebäude, wie der Weinbrenner-Stil selbst ein Nutzgebäude in einen attraktiven Gemeindemittelpunkt verwandeln konnte, der bis heute gefällt, hält und funktioniert. Dem Muster folgte man noch 1838 mit der ebenfalls im Weinbrenner-Stil gebauten Kelter in Zaisenhausen.

Die Bilder stellte uns Herr Oliver Bechtluft von der Gemeinde Kämpfelbach zur Verfügung; das letzte zeigt den Zustand vor der Renovation. Danke dafür!

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Garten der Markgräfin soll überbaut werden – eine Petition

07. November 2019

Karlsruhe war seit Weinbrenners Zeiten berühmt für die einzigartige Verbindung von Stadt und Gärten. Stellenweise ist das auch heute noch zu spüren, am stärksten am "Nymphengarten", dem ehemaligen Park des Amalienschlösschens, und am benachbarten Park um den Bundesgerichtshof, wo zuvor Weinbrenners Palais für die Markgräfin Christiane Louise stand. Eben dieser war von besonderer Schönheit und Größe. (Siehe dazu den Plan aus Weinbrenners "Architektonischem Lehrbuch" und die Ansicht von Bleuler von 1819.)
Davon ist nach mehreren Eingriffen nicht mehr allzuviel übrig geblieben; der Garten bestimmt aber nach wie vor den Platz am ehemaligen Karlstor mit. Es wäre also zu erwarten, dass (gerade im Zuge der Kombilösung) dieses Potenzial besser genutzt und der Ort aufgewertet würde. Stattdessen soll der Garten an dieser Stelle durch ein "Forum Recht" überbaut werden, womit das Besondere des Ortes und der Stadt um ein weiteres Stück verloren gehen würde.
Es haben sich deshalb verschiedene Gruppen und Personen zusammengetan und eine Petition im Internet veröffentlicht, die auch gleich einen anderen, aus verschiedenen Gründen geeigneteren Standort vorschlägt. Dem können wir uns nur anschließen und legen Allen, denen am Erhalt des einzigartigen Charakters Karlsruhe gelegen ist, nahe, die Petition zu unterstützen.

Hier der Link:

https://www.openpetition.de/petition/online/das-forum-recht-verdient-den-besten-standort-in-karlsruhe

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Die Kritik am Karlsruher Marktplatz reißt nicht ab

25. Oktober 2019

Die Kritik am neuen Karlsruher Marktplatz reißt nicht ab. Im Gegenteil: Es regen sich immer mehr Stimmen, die ihre Unzufriedenheit mit dem Ergebnis der Neugestaltung bekunden – und mit der Art und Weise, wie es dazu gekommen ist. 

Die gestrigen Badischen Neuesten Nachrichten beschäftigen sich mit Reaktionen auf die kürzliche Ankündigung des Karlsruher Stadtplanungsamtes, es würden Bänke und Leuchten probeweise aufgestellt und das Publikum um seine Meinung gefragt. Dass nun ein einziges Bankmodell („sehr schwer und klobig“, „im Sitzkomfort ... ergonomisch unbefriedigend“) vorgegeben wird, das keinerlei Bezug zur Umgebung zeigt und aus fragwürdigem Tropenholz besteht, also formal wie materiell einen Fremdkörper darstellt, und die Leiterin des Stadtplanungsamts gleichzeitig klar stellt, dass die Gestaltung des Marktplatzes schon „fix“ sei, scheint vielen Karlsruherinnen und Karlsruhern als Angebot im Sinn moderner Behördenführung nicht zu genügen. Dabei werden auch die anderen Schwächen der Planung angesprochen, die schon offensichtlich geworden waren, wie die Flutlichtmasten, die „Steinwüste“ (O-Ton BNN) und den Hügel im Marktplatz.
Werner Wiedemann konstatiert, es sei „schwer zu begreifen, dass in unserer Stadt mit hochgradigen Lehrstätten für Architekten ... die dort vorhandenen kreativen Schätze bei solch wichtigen städtischen Vorhaben, die die nächsten 50 bis 80 Jahre prägen werden, nicht zur Entfaltung kommen.“
Ulrich Schuhmacher analysiert die Planung und ihre Fehler genau und kritisch und „stellt sich die Frage, wer für die Gestaltungsqualität unseres Marktplatzes verantwortlich zeichnet“. (Leserbrief anbei)

Link zum erwähnten Artikel:

bnn.de/lokales/karlsruhe/baenke-aus-tropenholz-heizen-die-debatte-um-den-karlsruher-marktplatz-an

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Unser neues Faltblatt: Weinbrenner-Kirche Reilingen

25. Oktober 2019

Zum Reformationstag und zur Jubiläumsfeier für die evangelische Kirche in Reilingen wird auch unser Faltblatt vorgestellt, das wir diesem besonderen Bauwerk gewidmet haben. Darin wird die Geschichte zusammengefasst, die wir aus den Quellen rekonstruiert haben und die einige interessante und auch noch manche rätselhafte Vorkommnisse enthält. So hat Baumeister Georg Frommel aus Schwetzingen zunächst einige außergewöhnliche Entwürfe geliefert, in denen er den alten Turm durch gotische Details noch mittelalterlicher erscheinen lassen wollte und den neuen Kirchensaal durch einen Eingangsvorbau mit dorischen Säulen und Nischen mit Statuen noch klassizistischer. Ausgeführt wurde dann aber ein ganz anderer Entwurf, der sich deutlich genauer an Friedrich Weinbrenners Kirchen orientiert. Vermutlich dieser die Planung noch überarbeitet, was die Bezeichnung "Weinbrenner-Kirche" auf der Plakette neben dem Eingang rechtfertigen würde. Trotzdem ist auch diese Kirche ein Individuum. Doppelte Emporen kennen wir sonst aus der Weinbrenner-Schule nicht – außer an der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, wo sie ja allerdings im "Wiederaufbau" nicht wiederhergestellt wurden.

 

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Karlsruhes Marktplatz ist jetzt ein Hügel

01. Oktober 2019

Wir erwähnten kürzlich (16.9.) einen Artikel in den BNN über Kritik, die Karlsruher Pyramide, das Wahrzeichen der Stadt und eines der bekanntesten Werke Weinbrenners, würde im neuen Marktplatz zu tief sitzen, „versinken“ und „absaufen“.

Es zeigt sich aber bei genauem Hinsehen, dass damit das Problem nur unzutreffend beschrieben ist. Es liegt nicht so sehr im „Anheben“, sondern im „Ansteigen“ von den Rändern her. Tatsächlich wölbt sich der Marktplatz in einem vollkommen ungewohnten Maß, was mit technischen Notwendigkeiten beschrieben wird. Es müsse ja auch das Wasser abfließen. Konnte es das auf dem alten, flachen Marktplatz nicht? Das Ergebnis ist der Eindruck eines, wenn auch flachen Hügels, der Verschneidungen mit dem Sockel der Pyramide und auch den umgebenden Gebäuden erzeugt. Nicht hoch also, aber es verändert die Wahrnehmung dieses Ortes. Auch zum Schlittenfahren wird der Hügel nicht taugen, aber mit Kinderwägen und Rollstühlen wird man vielleicht vorsichtig sein müssen oder sich von der Pyramide fernhalten sollen. Das werden wir baldmöglichst testen.

Umso mehr fallen in dem erwähnten Artikel das Unverständnis und gleichzeitig der abschätzige Ton des Redakteurs auf. Und natürlich auch, dass man wohl absichtlich ein Bild wählte, auf dem der Hügel nicht zu sehen ist, sondern die „Talseite“. Das Problem wird also wortwörtlich ausgeblendet. Unser Bild ist dafür nicht so gut in der Qualität, da wir nicht näher herandurften.

Um noch etwas daran zu ändern, wird es zu spät sein. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass Karlsruhe auf gut badisch einen „Marktbuckel“ hat.

 

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Ein neuer Punkt in unserer Weinbrenner-Karte: Der Bertoldsbrunnen in Freiburg

01. Oktober 2019

Die Südbadener und die Liebhaber der Zähringerstadt Freiburg im Breisgau kennen natürlich den Bert(h)oldsbrunnen. Er steht, wo die Bertoldstraße in die Salzstraße übergeht und sich mit der Kaiser-Joseph-Straße kreuzt, in anderen Worten: auf dem Mittelpunkt der mittelalterlichen Gründungsstadt. Die einen oder anderen werden auch wissen, dass das Objekt in seiner typischen, schief verzogenen Gestalt aus der Nachkriegszeit der Ersatz für einen älteren Brunnen ist, der im Krieg zerstört wurde. Kaum aber jemand wird wissen, dass es ein Entwurf Friedrich Weinbrenners war, der 1807 in für ihn typischen Formen ausgeführt wurde, was auch gotische Formen einschließen konnte. Das wissen wir etwa vom Brunnen auf dem Karlsruher Ludwigsplatz. Hier in Freiburg sollten sie wohl auf die lange zurückreichende Geschichte der Stadt und der dargestellten Figur hinweisen, Berthold III. von Zähringen, der kurz vor 1100 n. Chr. geboren und 1122 gestorben war.

Am Entwurf beteiligt war eine weitere große Gestalt der Architektur des 19. Jahrhunderts, der aus Diepholz stammende Georg Moller, der sich damals in der Ausbildung bei Weinbrenner befand und kurz darauf, 1810, zum hessisch-darmstädtischen Oberbaurat und Hofbaudirektor berufen wurde. In dieser Position führte er in Vielem das Vorbild seines Lehrers weiter. So ähnelt sein wohl bekanntestes Werk, das Wiesbadener Stadtschloss, heute der Hessische Landtag, unübersehbar Bauten Weinbrenners, wie dem Haus der Museumsgesellschaft an der Kaiserstraße. Berühmt wurde er aber auch durch seine Forschungen zur gotischen Architektur und das Auffinden des originalen Fassadenrisses zum Kölner Dom, wodurch dieser fertiggebaut werden konnte. Einen guten Teil dieses Interesses hatte Moller von seinem Lehrer übernommen, und hier in Freiburg durfte er es schon anwenden.

1888 wurde allerdings das mit gotischen Maßwerkformen verzierte Becken des Bertoldbrunnens durch eine Schale in Renaissanceformen ersetzt. 1904 wurde der Brunnen verschoben, bis er dann im November 1944 zerstört wurde.

Zu finden auf unserer Weinbrenner-Karte „Weinbrenner entdecken“ unter: Bertoldsbrunnen Freiburg.

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Ein unbekanntes Weinbrenner-Haus im Elsass

19. September 2019

Dass Friedrich Weinbrenner in Frankreich gebaute Spuren hinterließ, könnte den Interessierten bekannt sein. In Straßburg selbst stehen ja noch die beiden Nebengebäude des Schlößchens Meinau und das Denkmal für General Desaix auf dem Börsenplatz.

So gut wie unbekannt ist ein repräsentatives Wohnhaus im nördlichen Elsaß, im Ort Soultz-sous-Forêts, das um 1807 entstanden ist. Der Bauherr war eine interessante Persönlichkeit, der Notar, Bürgermeister und Abgeordneter der Nationalversammlung Frédéric-Philippe Müntz (1783–1865). ... weiterlesen

Prinz Bernhard über den Umgang mit der Geschichte

16. September 2019

In den BNN vom Samstag äußert sich der badische Erbprinz darüber, wie wichtig eine eigene, aktive Haltung zur Geschichte für ihn und unsere Zeit ist. Wir können uns seinen Beobachtungen nur rückhaltlos anschließen, natürlich nicht nur, weil das Haus Baden selbst Mitglied in der Friedrich-Weinbrenner-Gesellschaft ist. Es lohnt sich, bei der Gelegenheit an das Buch "Nur ein Blick auf Baden" zu erinnern, das Prinz Bernhard zusammen mit Christoph Graf Douglas herausgab und in dem verschiedene interessante Fenster in die badische Geschichte geöffnet werden, natürlich auch eines mit Blick auf Friedrich Weinbrenner. ... weiterlesen