Friedrich-Weinbrenner-
Gesellschaft e.V.

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«Karlsruher Erklärung» online

09. Juli 2020

Genauer die „Karlsruher Erklärung zum Umgang mit dem gebauten Kulturerbe“, veröffentlicht von der Weinbrenner-Gesellschaft mit vier anderen in Karlsruhe ansässigen Vereinen, die sich aufgrund aktueller Ereignisse und Entwicklungen um die wertvolle Bausubstanz und den einzigartigen Charakter dieser Stadt sorgen.

Es ist vielleicht schon aufgefallen: Man erreicht sie über den Button „Karlsruher Erklärung“ hier auf der Startseite. Dort finden sich die beiden Textfassungen sowie verschiedene weitere Materialien. Hier ist schon einmal ein Foto von der gedruckten Kurzfassung.

 

«Neue Deutsche Biographie»: Ein neuer «Weinbrenner»

13. Mai 2020

Vor einigen Wochen ist ein neuer Band des Personenlexikons erschienen, der 27. und vorletzte. Zwischen «Vockerodt» und «Wettiner» war nun also endlich auch Friedrich Weinbrenner dran. Mit dem Artikel hat die Historische Kommission an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften unseren Vorsitzenden beauftragt, Ulrich Maximilian Schumann.

Eine seltene und dankbare Aufgabe, aber auch eine Herausforderung. Das etablierte Bild Weinbrenners mit neuen Erkenntnissen zu verbinden, musste hier auch heißen: das Bild zu korrigieren, das ja nicht zuletzt durch frühere Lexikoneinträge verzerrt worden war. (Traurige Berühmtheit Alfred Woltmanns Eintrag in den «Badischen Biographien» von 1875, aus dem trotz seiner tendenziösen Unbedarftheit stellenweise immer noch zitiert wird.)

Neue Erkenntnisse haben sich in den letzten Jahren in der Tat eingestellt, im Wesentlichen durch unsere Arbeit und unsere Mitglieder; Anderes war zuvor wissentlich oder unwissentlich übergangen worden. So ergaben sich nun neue Schwerpunkte. Unter den biographischen Realien sind es beispielsweise die zahlreichen und hochkarätigen Kontakte Weinbrenners in das Geistes- und Kulturleben, weiter seine Leistungen als Lehrer, Theoretiker, Autor, sein Architektonisches Lehrbuch und die erste deutsche Denkmalschutzverordnung.

Zum Artikel gehören eine neu recherchierte Genealogie sowie Verzeichnisse der wichtigsten Bauten, Schriften und Auszeichnungen. Gerade über die späten Ehrungen und das intensive Nachleben wird das Vorurteil entkräftet, Friedrich Weinbrenner sei noch zu Lebzeiten von der Entwicklung überholt worden.

Online ist der Band (noch) nicht verfügbar, aber die Bibliotheken öffnen nun ja wieder, wenn man das Buch nicht selbst kaufen will, und für Mitglieder der Weinbrenner-Gesellschaft steht der Artikel ohnehin zur Verfügung. Anbei einige wenige Ausschnitte und die bibliographische Angabe:

Ulrich Maximilian Schumann, «Weinbrenner, Johann Jakob Friedrich», in: Neue Deutsche Biographie, 27. Band, für die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben von Hans-Christof Kraus, Berlin: Duncker & Humblot 2020, S. 632–634.

 

 

Unsere 'Geisterausstellung' im Mannheimer Morgen

06. Mai 2020

Ja, auch wir haben eine Geisterausstellung, die wegen der Corona-Krise gegenwärtig nicht gezeigt werden kann: die Ausstellung in der und über die evangelische Kirche Reilingen. Wie schon berichtet, konnte sie darin als Werk Gustav Frommels und zugleich und wohl sogar in höherem Maß Friedrich Weinbrenners selbst identifiziert werden.

Vielleicht wird die Ausstellung bald schon zugänglich sein. In jedem Fall hat der Mannheimer Morgen vor kurzem ausführlich und kompetent darüber berichtet. Den Artikel hängen wir gerne an (wegen der Größe gestückelt) und bedanken uns herzlich. Für diejenigen mit Online-Abo hier auch der Link.

In der Zwischenzeit gingen auch die Recherchen zu Gustav Frommel weiter, dieser eigenwilligen Persönlichkeit. Aus der Familie erhielten wir Kopien von Originalbriefen und eigene Forschungen, die bestätigen, dass es sich bei dem oft genannten Georg Frommel in Wahrheit um Gustav handelt, und dessen Leben noch anschaulicher machen. Und es zeichnet sich ab, dass ihm noch mehr Bauten zugeschrieben werden müssen, wie zum Beispiel das Rathaus in Rohrbach, das bislang als Werk des Bruders Wilhelm galt. Hierzu bald mehr, sobald sich wieder besser reisen lässt.

«Stadt und Garten»: der Beitrag von Ulrich Maximilian Schumann

03. April 2020

In gewisser Weise schließt dieser an den vorab besprochenen von Julian Hanschke an. Weinbrenners Symbiose von Garten und Stadt bildet hier aber erstaunlicherweise erst den Schlusspunkt. Schumann beleuchtet sie aus einer umgekehrten Perspektive, beginnt ein Jahrhundert später mit den beiden Personen, die Weinbrenners Erbe aktualisierten und damit dessen bemerkenswerte Renaissance im 20. Jahrhundert anstießen: dem Architekten Friedrich Ostendorf und dem Universalkünstler Max Laeuger, dem sowohl Ostendorfs einflußreiche "Sechs Bücher vom Bauen" wie auch Arthur Valdenaires bis heute einzige Weinbrenner-Monographie gewidmet sind. Die Geschichte, wie dies zusammenhängt, wird hier rückwärts erzählt. Im Mittelpunkt dieser «Dreiecksbeziehung» wie auch zwischen Stadt und Garten steht der Raum als übergeordnetes Entwurfsziel, das Weinbrenner sich und seinen Kollegen gesetzt hatte – vor allen anderen.

(Hier können wir auch problemlos Illustrationen zeigen, denn Ostendorfs Paraphrasen auf Weinbrenners Architektur stammen aus Büchern, eben den "Sechs Büchern".)

«Stadt und Garten»: der Beitrag von Julian Hanschke

01. April 2020

Wie angekündigt, wollen wir einen kurzen Blick in den neu erschienenen Band der Oberrheinischen Studien werfen.

Julian Hanschke widmet sich in seinem Beitrag einem lange (und auch heute noch meist) übersehenen Kapitel der Geschichte Karlsruhes, nämlich den Parkanlagen, die zur Zeit Weinbrenners und unter dessen Ägide entstanden. Sie bildeten ein Grundelement der Stadt selbst, was Karlsruhe zum einzigartigen und vielbewunderten Modell für die Durchdringung von Natur und Kultur werden ließ.

Julian Hanschke geht von einem Vergleich aus –  zwischen dem weltberühmten Landschaftspark von Wörlitz und der Parklandschaft von Karlsruhe – und belegt glaubhaft die Verbindung zwischen beiden Städten, den regierenden Fürstenhäusern und deren Architekten: Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff und eben Friedrich Weinbrenner. Damit positioniert er die Karlsruher Gärten in den oberen Sphären der Kunst- und Kulturgeschichte, bevor er uns mit auf einen Spaziergang durch die Parks nimmt, konkret den Garten des Markgräflichen Palais', den Erbprinzengarten und den Park um das Palais der Markgräfin Christiane Louise, in dem heute der Bundesgerichtshof steht. Faszinierend dabei ist, wie eng Gartengestaltung, Architektur und selbst Innenausstattung zusammenhingen.

In Wörlitz kann man diese Faszination bekanntlich noch erleben, was den Park zum paradiesischen Publikumsmagnet und UNESCO-Weltkulturerbe werden ließ. In Karlsruhe hat man die grüne, idyllische Hälfte der Innenstadt Stück für Stück überbaut, zerschnitten, vernachlässigt, bis kaum noch etwas übrig geblieben ist, und hört damit immer noch nicht auf. Wie berichtet, soll aktuell der Park um den Bundesgerichtshof für eine private Initiative weiter verstümmelt und zum Karlstor hin abgeschlossen werden.

So stellt Julian Hanschkes Artikel indirekt, aber unvermeidlich auch die Frage, ob sich das Grundthema dieser Gärten – wie sich rohe Kräfte in Kultur verwandeln – nicht schon längst in sein Gegenteil zurückentwickelt hat.

(Der Artikel ist natürlich ausführlich und attraktiv bebildert; Bilder aus dem Artikel zeigen wir aus den bekannten rechtlichen Gründen hier nicht.)

 

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Alle Termine verschieben sich

01. April 2020

Die aktuelle gesundheitliche Situation und die entsprechenden Auflagen bringen unsere Jahresplanung durcheinander. Anfang Mai wollten wir uns zur Mitgliederversammlung treffen und im Laufe des Jahres neben anderem attraktive Exkursionen anbieten. Wir verzichten nun auf provisorische Termine und haben uns entschieden, erst wieder mit unserer Jahresplanung an die Öffentlichkeit zu gehen, sobald ein Ende der Krise abzusehen ist. Darauf freuen wir uns und hoffen, Sie alle gesund wiederzusehen und mit Ihnen umso aktiver und begeisterter unsere Arbeit in vollem Maß wiederaufzunehmen.

Für Gespräche, Fragen, Wünsche und dergleichen stehen wir weiterhin natürlich gerne telefonisch oder über e-Mail zur Verfügung.

Online: Weinbrenners Karlsruher Suppenküche

31. März 2020

Dieses Gebäude ist zwar klein und vermutlich wenig bekannt, aber in mehrererlei Hinsicht aufschlussreich. Deshalb hier der Verweis auf diesen Artikel, der zuerst in den «Archivnachrichten» erschien und nun auch im Internet verfügbar ist, einschließlich Weinbrenners Bauplan. (Danke an Beate Paland für den Hinweis.) Geschrieben hat ihn Gabriele Wüst, die von Besuchen im GLA als immer hilfreiche Archivarin bekannt ist. 

Er enthält viel Interessantes über die «Rumfordsche Suppenanstalt», schon von ihrem Inhalt her eine frühe soziale Einrichtung, in der Suppe für Bedürftige gekocht und ausgegeben wurde. Die markgräfliche Stiftung war ein Anbau an das «Gewerbehaus», das vor allem ärmeren Menschen Arbeit und Ausbildung bot, stand also in der Nähe des Spitals an der heutigen Markgrafenstraße.

Deshalb wollen wir nur anfügen, wie sozial auch Weinbrenner seine Aufgabe auffasste. Man erkennt schnell die Elemente, auf denen er seinen Entwurf aufbaute: das einladend große und würdige Portal, die um die Feuerstelle halbrund angeordneten Kochherde, die Tische für das Essen mit den umlaufenden Sitzbänken. Diese Anordnung zeichnet ein Kreuz in den Grundriss, wie wir es aus vielen seiner Bauten kennen, vor allem Kirchen, das aber kein christliches Symbol, sondern die drei Dimensionen und Bewegungsrichtungen des menschlichen Körpers abbildete. 

Weinbrenner folgte also präzise den Funktionen und kleidete sie zugleich in dieselben Formen wie alle seiner Gebäude, also etwa auch die Palais und Villen in der badischen Hauptstadt. Besser hätte Weinbrenner seinen Respekt für die Ärmsten nicht ausdrücken können, die er 1817 in seinem Entwurf zu einem Baugesetz als «dem Staat sehr nützlich» und «vielleicht unentbehrlich» bezeichnete und dazu ausführte:

«Ueberdieß würde hiebei die Baukunst in unvortheilhaftem Licht erscheinen; sie, die uns lehrt Paläste für die Großen der Erde und andere Prachtgebäude aufzuführen und nicht minder bewährt gefunden werden soll [...]für das Bedürfniß der Armen oder wenig bemittelten.» (abgedruckt in: «Worte und Werke»)

Das paßt auch auf die Karlsruher Suppenküche. 

In den Zeiten davor und danach hätte man gerne Allegorien der Barmherzigkeit angebracht oder das Gebäude selbst wie ein Kloster oder ein Waisenhaus gestaltet. Beides hätte aber mehr über Bauherrn und Baumeister ausgesagt als über die Menschen, die das Bauwerk letztlich nutzten. Weinbrenner verzichtete darauf bewusst, und er kam auch ohne das aus. Das Gebäude selbst war für Weinbrenner immer eine soziale Form.

Hier der Link zum Artikel von Gabriele Wüst mit Weinbrenners Bauplan.

 

"Stadt und Garten" erschienen

29. März 2020

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Sonntag, 15. März: Führungen in der "Weinbrenner-Kirche" Reilingen

10. März 2020

Aus Anlass ihres 200jährigen Bestehens führt unser Vorsitzender Ulrich Maximilian Schumann durch die evangelische Kirche von Reilingen bei Hockenheim. Zu diesem außergewöhnlichen Bauwerk haben wir ein Faltblatt und eine Tafelausstellung erstellt, die bei dieser Gelegenheit präsentiert wird. Dabei kommt auch zur Sprache, welchen Anteil Weinbrenner selbst am Projekt hatte und welchen Anteil der oft als Architekt erwähnte "Georg Frommel", der aber in Wirklichkeit "Gustav Frommel" hieß. Dazu auch an dieser Stelle bald mehr.

Die Führungen beginnen um 15 Uhr und 17 Uhr.

 

Vortrag von Anne Brehm «Friedrich Weinbrenner und das Straßburger Münster»

31. Januar 2020

Ein spannendes Thema, das noch wenig beleuchtet ist. Dr. Anne Brehm ist ausgewiesene Spezialistin für die Architektur des Mittelalters und zugleich Mitglied in der Weinbrenner-Gesellschaft. Sie wird über dieses Thema am 12. Februar am passenden Ort sprechen, also in Straßburg bei den "Freunden der Kathedrale". Der Vortrag in Deutsch ist öffentlich und kostenlos, der Ort: Salle du Münsterhof, 9 rue des juifs.

Hier geht es zur Ankündigung auf der Seite der "Gesellschaft der Freunde der Straßburger Kathedrale".