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Das Alte Rathaus in Wörth – ein schönes Stück Weinbrenner-Schule in der Pfalz

03. April 2026

Was daran außergewöhnlich ist? Dass diese Region seit 1816 zu Bayern gehörte und damit in die Zuständigkeit der dortigen Bauverwaltung, die dem ausgeprägten Bedürfnis des Königs nach Repräsentation entsprechen musste. Und trotzdem entstanden auch in der Pfalz Bauten im Stil der Weinbrenner-Schule, der im Gegensatz dazu von den allgemein menschlichen Bedürfnissen ausging, um diese in ein schönes und gut funktionierendes Gebäude zu verwandeln. Wie eben in Wörth, wo sich der Speyerer Bauinspektor Johann Bernhard Spatz (1782–1840) beim Rathausneubau 1828 deutlich an Friedrich Weinbrenner orientierte.
So lebt das heute vor allem für Ausstellungen genutzte Gebäude vom klaren Baukörper, dem von den Fenstern bestimmten Fassadenbild und der Klarheit, Helligkeit und Offenheit im Innern. Allenfalls hätte Weinbrenner kritisiert, dass im Obergeschoss nur jedes zweite Fenster von Dreieckgiebeln bedacht wird. Denn für ihn hatte jedes Detail immer zuerst einen Sinn und eine Funktion, war keine reine Schmuckform, die man nach Geschmack anwenden oder weglassen konnte.
Aus den Rathausbauten der Weinbrenner-Schule ähnelt demjenigen in Wörth beispielsweise dasjenige in Heidelberg-Kirchheim, von Weinbrenners Schüler Ferdinand Thierry 1822–24 errichtet und ebenfalls auf unserer Karte "Weinbrenner entdecken" zu finden, so wie ab sofort das Alte Rathaus von Wörth. Spatz entwarf beispielsweise auch die Heilig-Kreuz-Kirche in Herxheim-Hayna nach dem Vorbild Friedrich Weinbrenners.