Meldungen

Weinbrenner-Schule im Kraichgau, 2 – Ein originaler Weinbrenner: Die Thomaskirche in Kleinsteinbach

Sie fällt nicht sofort ins Auge, wenn man das Pfinztal entlang durch Kleinsteinbach kommt, denn sie reiht sich zwischen die Wohnhäuser ein, als wäre sie selbst ein Haus. Erst wenn man davor steht, wird daraus eine Kirche – oder ein Tempel? Dann entfaltet sie ihre einladende und zugleich monumentale Seite mit dem Dreieckgiebel und den hohen Säulen vor dem Eingang. Das Gerüst aus Pfeilern und Gebälk läuft von hier aus als flaches Relief auch über die Längsseiten mit den hohen Rundbögen und den Turm. Er steht in der Rückseite und ist damit besser von außerhalb als innerhalb des Ortes sichtbar.

Das überrascht, aber es überrascht weniger, wenn man nach Karlsruhe schaut, wo genau in denselben zehn Jahren zwischen 1807 und 1817 derselbe Architekt am neuen Marktplatz die Hauptkirche des badischen Protestantismus baute und diese bekanntermaßen derselben Anordnung folgt: Auch hier stellte Friedrich Weinbrenner nicht den Kirchturm in den Vordergrund, sondern drei Häuser, von denen sich das mittlere in einen Tempel verwandelt.

Um einiges kleiner, aber umso authentischer ist eine Weinbrenner-Kirche hier in Kleinsteinbach zu erleben. Hier ist sogar etwas gelungen, womit man sich andernorts geradezu unverständlich schwer tut: 1999 ließ die Kirchengemeinde in Zusammenarbeit mit dem Restaurator Michael Kleinert die originale Außenfarbe wiederherstellen. Und diese war für Weinbrenners Werk nicht nur typisch, sondern auch von entscheidender Bedeutung. Er ließ seine Gebäude nicht zwei- oder mehrfarbig streichen, wie heute meist zu finden, sondern einfarbig, weil der Anstrich das feine, dezente Relief der Fassaden sichtbar machen und damit die Form betonen sollte. Und er empfahl hierfür keinen bunten, sondern einen leicht gebrochenen, hellen und fast weißen Farbton, aber eben kein Reinweiß, weil das Gebäude seine Nachbarbauten nicht überstrahlen sollte. Nur hier in Kleinsteinbach läßt sich dies so original erleben.

Auch hat sich hier der typische Weinbrenner-Innenraum fast unverändert erhalten. Die hohen Fenster erleuchten ihn hell, und zusammen mit den Säulen und der umlaufenden Empore verleihen sie ihm eine klare, geräumige, offene und einladende Struktur. Diese setzt sich sogar (wie eines der Fotos zeigt) bis in den Dachstuhl fort, wo sich die doppelte Pfostenreihe direkt aus den hölzernen Säulen des Kirchenraums entwickelt. Weinbrenner war für die kunstvolle Logik seiner Konstruktionen über die Grenzen Badens und der anderen deutschen Länder hinaus berühmt. Die informative Internetseite der Kirchengemeinde zeigt unter anderem Pläne und historische Fotos (Link s. u.).

Raum, Konstruktion, Form, Haus und Tempel: In Kleinsteinbach sind bis heute die grundlegenden Ideen eindrucksvoll erlebbar, die Weinbrenner auf seine eigene, wegweisende Art miteinander verknüpfte. (Was unser Vorsitzender Ulrich Maximilian Schumann vor einigen Jahren in Weinbrenners gebautem und geschriebenem Werk wiederentdeckt hat.) In dessen eigenen Bauten lässt sich dies nach Zerstörungen und „Wiederaufbau“ nur noch ansatzweise nachvollziehen, in denen seiner Schüler und Mitarbeiter jedoch noch häufig, und gerade auch im Kraichgau.

Deshalb: Fortsetzung folgt …

https://www.kleinsteinbach-evangelisch.de/thomaskirche/geschichte/

     

Das Durlacher Torwärterhaus scheint gerettet!

Gerade erreicht uns die Meldung, dass der Karlsruher Gemeinderat beschlossen hat, das Gebäude aus der Weinbrenner-Zeit zu erwerben, für dessen Erhalt wir auch geworben hatten. Es müssten nun aber auch Spenden aus der Bürgerschaft eintreffen, die den von der Stadt eingestellten Betrag ergänzen. Vielen Dank vor allem an die Durlacher Gruppen, die sich vehement und kreativ für das Gebäude eingesetzt und Konzepte entwickelt haben!

https://presse.karlsruhe.de/db/meldungen/politik/zukunft_des_durlacher_torwachterhauses_gesichert.html

Weinbrenner-Schule im Kraichgau, 1

Der nächste Band der „Badischen Heimat“, Heft 2/2019, wird dem Thema „1250 Jahre Kraichgau“ gewidmet sein und auch einen Artikel über dortige Bauten von Weinbrenner und seinen Schülern und Mitarbeitern enthalten. Denn das ist ein großes und für die Region wichtiges Thema. Unser Vorsitzender Ulrich Maximilian Schumann stellt in seinem Text die wichtigsten Hintergründe und Bauten vor. Naturgemäß kann das nur ein flüchtiger Blick auf das Thema sein, gemessen an der Fülle und Qualität von Zeugnissen dieser intensiven Verbindung zwischen einer alten und weiten Kulturlandschaft und einer Architektur, die ganz neu durchdacht wurde. Denn sie sollte moderne Ansprüche an Raum, Konstruktion und soziale Verantwortung erfüllen und zugleich Identität und ein Gefühl von Heimat stiften.

Deshalb nehmen wir diesen Artikel zum Anlass, einige der interessantesten Objekte hier genauer vorzustellen, um noch mehr Gründe zu liefern, genauer hinzusehen oder sie aufzusuchen. Und wer Anregungen und Hinweise hat, darf sich gerne melden. Vielen Dank dafür im voraus!

Morgen abend sprechen wir über den „Hofmaler“

„Unfreiwillig angekommen“ – Unter diesem Obertitel stellen Petra Reategui und Ulrich Maximilian Schumann das erfolgreiche Buch über Feodor Ivannoff vor, der oft nur „der Kalmück“ genannt wurde und einer der engsten und längsten Freunde Friedrich Weinbrenners war.
Die Autorin liest Passagen daraus vor und unterhält sich mit dem Vorsitzenden der Weinbrenner-Gesellschaft über die interessantesten Aspekte dieses (Künstler-)Lebens, das wir für eine abenteuerliche Erfindung halten würden, wenn wir nicht wüssten, dass es sich so zugetragen hat: ein Kind aus einer Steppe im fernen Süden Russlands, das an den Hof der Zarin Katharina verbracht wird und als exotischer Page weitergereicht wurde, bis es am Karlsruher Hof ankam, wo es zum Maler ausgebildet wurde. Damit war seine Reise aber noch lange nicht beendet. Diese Erfahrung des Zuhause- und des Fremdseins in der Heimat stehen deshalb im Fokus dieses Abends.
Das Gespräch beginnt um 19 Uhr im „Roten Haus“ in Rüppurr, der ehemaligen Meierei des Rüppurrer Schlosses an der Rastatter Straße 17, und wird etwa eine Stunde dauern. Danach stehen beide für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Der Eintritt ist frei; wer will, kann etwas spenden.
Die Weinbrenner-Gesellschaft hat die Veröffentlichung unterstützt.

Zum 300. Jubiläum des Karlsruhers Theaters …

… wurde in den vergangenen Wochen auch Friedrich Weinbrenner häufig erwähnt, der ja 1807/08 das erste eigene Gebäude hierfür entworfen hatte, womit er seinen Ruf als führender Theaterarchitekt und -theoretiker begründete. Von da an plante und baute er Bühnenhäuser in mehreren Städten.
Viel erfährt man hierüber in den Nachrichten nicht, auch nicht über den nach dem Krieg nicht wiederhergestellten, sondern abgerissenen Nachfolgebau von Weinbrenners Schüler Heinrich Hübsch. Der Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf dem Défilée der Politik beim Festakt und auf den aktuellen Plänen zur Sanierung des jetzigen Staatstheaters von 1975. Das ist verständlich.
Ob diese Pläne allerdings „auch Weinbrenner und Hübsch […] gefreut“ hätten, wie in der Berichterstattung zum Jubiläum angenommen wurde, ist fraglich. Nicht, weil sie sich keine zeltartigen Formen hätten vorstellen können. Im Gegenteil, ähnlich frei geschwungene Dachflächen finden sich schon in Weinbrenners Lehre. Dort aber ordneten sie sich einem hochkomplexen Gedankengebäude ein, das vom Raum als Spiegelbild des Menschen, von der Sprache der Symbole und Farben, vom sozialen Zusammenhang und mehr getragen wurde. Das Theater war deshalb in erster Linie ein Haus, aber ein besonders wichtiges und schönes. Wie die Brücke hiervon zu den aktuellen Plänen aussehen könnte, die an eine Science-Fiction-Szenerie erinnern, ist nicht leicht zu erkennen.

 

 

 

Ein gutes neues Jahr für Baden-Badens Kurhaus 

Beim Neujahrsempfang der Bäder- und Kurverwaltung an diesem Sonntag gab es viel Prominenz, aber der wirkliche Hauptakteur war der architektonische Rahmen, Weinbrenners Konversationshaus. Es beweist, wie wenig Dekoration und Aufwand es braucht, wenn ein Gebäude über 200 Jahre gepflegt und verständig weitergeführt und -genutzt wird. Es strahlt von sich aus Kultur und Verläßlichkeit aus. Das einzige Ornament war das stilisierte Bild des Kurhauses selbst: auf Wänden, auf der Einladung und sogar der Briefmarke.
Geschäftsführer Steffen Ratzel versprach in seinem Grußwort, diese Tradition auch in diesem Jahr bewußt fortzuschreiben, und erwähnte sogar einen scheinbar nebensächlichen Baustein, der umgehend wiederhergestellt werden soll: ein Kandelaber vor der linken Kurhausfront wurde vor kurzem von einem LKW umgefahren und wird nun nachgegossen.

EPSON MFP image

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Neues vom Karlsruher Markt-/Rummelplatz

Was für ein Coup! In diesem Jahr steht ein Riesenrad auf dem Karlsruher Marktplatz, zwischen Stadtkirche und Rathaus. Die Presse ist weitgehend aus dem Häuschen, und es soll auch niemandem der Spaß verdorben werden. Warum soll man auch nicht ein Riesenrad auf den Marktplatz stellen? Nun, eine Antwort darauf aber könnte man schon geben: Weil durch solche Aktionen in Vergessenheit gerät, was für ein Ort das ist – und was überhaupt eine Stadt ist, dass es nicht ohne Folgen bleibt, wenn man die Mitte der Stadt immer selbstverständlicher in einen Freizeitpark verwandelt.
Von anderer Seite erhielten wir dazu diese Mitteilung: „Vom vorderen Bereich meiner Terrasse aus sehe ich den Turm der Stadtkirche, der nachts angestrahlt ist. Ich wohne seit fast 40 Jahren hier und freue mich immer noch an diesem schönen Anblick, aber als ich vorhin raus ging, blieb mir doch der Atem weg: Der Turm ist jetzt PINKFARBEN angestrahlt!! Weinbrenner in PINK! Man glaubt es nicht.“

Vorstand bestätigt, Aufgaben definiert

Bei der gestrigen ordentlichen Mitgliederversammlung ist der bisherige Vorstand einstimmig wiedergewählt worden: Vorsitzender Dr. Ulrich Maximilian Schumann, Schriftführer Dr. Dr. Hans Peter Gruber und Rechnungsführer Hans Robert Hiegel. Das bestimmende Thema der übrigen Programmpunkte war der aktuelle Umgang mit dem Erbe Friedrich Weinbrenners, der im Wesentlichen – und im Besonderen mit Blick auf die Umgestaltung der Stadtmitte Karlsruhes – als kritisch zu bezeichnen ist. Die Versammlung entwickelte einen ganzen Katalog von Strategien, mit denen die Gesellschaft auf die Herausforderung einer aggressiven Gefährdung von Weinbrenners Hinterlassenschaft reagieren will. Der Vorstand erhielt den Auftrag, hieraus konkrete Konzepte zu entwickeln und sie baldmöglichst vorzustellen.

Jahresversammlung an diesem Freitag

Um 14 Uhr trifft sich die Weinbrenner-Gesellschaft zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung. Und auch wenn ein neuer Vorstand gewählt wird, sind interessierte Nichtmitglieder dabei willkommen. Das Treffen findet an diesem Freitag, dem 7. 12., in der ehemaligen Meierei des Schlosses Rüppurr statt, dem roten Haus an der Rastatter Straße 17, 76199 Karlsruhe, direkt an der S-Bahn-Haltestelle, und wird bis etwa 16 Uhr dauern.

(Karlsruher) „Marktplatz der Zukunft“?

Das kann nicht wahr sein – und wird es auch nicht. Denn so wird der angekündigte „Marktplatz der Zukunft“ natürlich nicht aussehen. Das Schaubild ist von einer so dilettantischen Machart, dass es der Wirklichkeit schon auf den ersten Blick nicht entspricht und also auch nicht ernst genommen werden kann.

Die Perspektive ist so miserabel konstruiert, dass die geräumige Platzfolge wie ein langer Korridor erscheint und nahe Objekte, wie die Pyramide, aus dem Blick verschwinden. Und dass die parallelen Linien im vorderen Pflaster in einem unverständlichen Winkel abknicken, als sei ein Hammer von oben darauf heruntergefahren. Und dass die Schatten nach Süden fallen, als ob die Sonne im Norden stünde.

Peinlich. Wie kann man so etwas der Öffentlichkeit präsentieren? Und wie soll man die Planung beurteilen, wenn das Schaubild nicht einmal den Raum annähernd korrekt wiedergibt?

Der größte Fehler aber ist gewollt: Die Gebäude darum herum werden ausgeblendet, als wären sie unwichtig. Ohne Farbe und ohne Material stehen sie da wie Gespenster. So können dann auch die dürren Minifontänen und das beliebige, unruhige Pflaster weniger fade aussehen und sich weniger mit dem Umherstehenden reiben. Und wenn man sie sich ganz wegdenken würde, könnte das ein Alltagsplatz in einem Neubauviertel sein – mit anspruchslosen Holzbänken, Lichtmasten für den Bolzplatz und einer Wasserplantsche für die Kinder. „So soll der zentrale Platz der Stadt in Zukunft aussehen.“ Mehr als ein Fragezeichen wäre nach diesem Satz angebracht gewesen.